Rezensionen & Tonträger Dennis, 18.03.2009
The View – White Bitch?
2007 waren The View die Hype-Kinder der Stunde: Songs einen Tick euphorischer und rauer als das Gros der British Invasion kleiner Männer namens Tate, wuscheligere Haare, untypischer Akzent (Dundee Schottisch) ein zartes Alter, das hervorragend in die aufkommende Under-16-Szene passte und am wichtigsten: eine großartige Single (Same Jeans) und ein Nr. 1-Album (Hats Off To The Buskers). Seit den zwei Jahren, die The View auf Tour waren, hat sich so einiges verändert: Britische Bands sind praktisch unhypebar, Gitarren werden mal wieder für Turntables eingetauscht und eine Nr. 1-Single bedeutet wenig. Außerdem Finanzkrise und sowieso alles furchtbar überall. Umso interessanter, wie eben die Hype-Bands von gestern auf die veränderte Landschaft von heute reagieren. Bei The View ist die Antwort erstaunlich einfach, nämlich: gar nicht.
Which Bitch? knüpft an, wo Hats Off To The Buskers aufgehört hat (und zwar bei Typical Time, diesmal mit einer 2 im Titel). Der Sound hat sich ein wenig verändert: mehr Hall, größerer Fokus auf Lead Singer Kyle Falconer, mehr (und vor allem lautere) Gitarrensoli und ein generelles, zögerliches Heranwagen an größere Hallen. Ein paar Streichermomente gibt es auch, zumindest nicht ganz unpassend in Unexpected, in dem Falconer den Tod seines Vaters verarbeitet.
The View schaffen es, den Versuch, „größer“ zu klingen, so natürlich wie möglich über die Bühne zu bringen – und wer weiß, vielleicht hat diese Entwicklung einen größeren Nutzen bei der Mando Diao-Support-Tour. Auf Platte wirkt es gewöhnungsbedürftig, nicht jedoch schlecht.
Noch immer gibt es Owen Morris produzierte Songs mit charakteristisch stampfenden Drums, über Männer, Mädchen und Bier. Daneben auch ein Paolo Nutini-Duett (Covers).
Die schönsten Songs sind aber die Ausnahmen des gewohnten Konzepts. Allen voran Distant Dubloon ein reich instrumentiertes Sea Shantie, das Heimatort Dundee als mythisches Piratennest wiederauferstehen lässt. The View sind am Besten, wenn sie im Kleinen arbeiten (deshalb auch besonders schön, dass keine Songs über das ach so anstrengende Touren auf das Album gekommen sind). Und vielleicht ist das ja ein Weg, mit globalen Turbulenzen umzugehen, eben der Schritt zurück zum Lokalen. Which Bitch? ist trotz unglücklichem Titel ein überraschend spaßiges Album, das sehr entspannt das unwortige Label Indie abschüttelt und erfolgreich Kyle Falconer als selbstbewussteren Sänger und Texter präsentiert. Mit ein paar mehr Piratensongs über Dundee könnten The View unter die überraschenden Überlebenden der Hype-Kriege rutschen.
Homepage: www.theviewareonfire.com
MySpace: www.myspace.com/dryburgh

Text: Dennis Kogel
19 Mar 2009, 11:52 pm 1.Christine Cremer…
Hallo, komme gerade vom Konzert in Offenbach von Mando Diao und habe als Support The View gehört und gesehen. Die Band hat mir sehr gut gefallen. Schade dass die Zeit so schnell vorbei war (ca. 40 Minuten Auftritt). Ich kaufe nicht immer CDs bei Konzerten, aber die musste ich unbedingt haben.
Da ich noch Infos über die Band haben wollte, habe ich bei Google nachgeschaut und diesen Artikel von Dennis gelesen. Das war ein gelungener Abschluss. Danke!
26 Apr 2009, 10:38 am 2.Rene…
Auch eine gute Rezension zum neuen Album von The View – sogar mit einigen interessanten Fakten. Dennoch finde ich, dass sich die Nand stärker verändert hat, als es in Ihrer Kritik herauskommt. Diese Vielfalt macht es ja gerade so interessant…