Die Italiener von Thee Maldoror Kollective schreiben sich seit jeher die Bezeichnung „Avantgarde” auf die Fahnen und haben sich auch mit dieser Veröffentlichung wieder vorgenommen, diesem Begriff gerecht zu werden. Themes For Proxima ist ein Mini-Album mit einer knappen halben Stunde Spielzeit, dessen Musik in einem spanischen Film namens Proxima verwendet wurde. Und tatsächlich: Außer dem Oberbegriff „Avantgarde“ ist die einzige weitere Schublade, die sich verwenden ließe, nur noch die Tatsache, dass wir es hier mit einer von vielen Spielweisen elektronischer Musik zu tun haben. Die Black Metal-Wurzeln haben Thee Maldoror Kollective auf jeden Fall definitiv hinter sich gelassen.

Schon Gorilla Move [Grey 01] zeigt die Spezifik des Schaffens der italienischen Formation. Experimentelles Flimmern eröffnet das Stück, das allerdings schnell durch eine satte Beat-Grundlage im mittleren Tempobereich nach vorne gepeitscht wird, während im Hintergrund Chorale zu hören sind, die oriental anmuten. Das mittlere Tempo ist es im Großen auch insgesamt, dass diese Veröffentlichung ausmacht. Zwar ist gelegentlich ein ambienter Einschlag zu hören, dieser ist aber wirklich nur ein kleiner Einfluss, der stets bereits in dem Moment verschwindet, in dem man meint, ihn gerade wahrgenommen zu haben. Ausnahme ist hierbei lediglich der Schlusstitel Io (Little Birds Remix). Ansonsten ist es sehr eigene elektronische Musik, die gelegentlich sogar mal mit EBM flirtet, hier und da verzerrte Gitarren einsprengt oder auch Einflüsse diverser Kulturen in sich aufnimmt und verarbeitet. Avantgarde, der seinem Namen alle Ehre macht also.

Vom Prinzip her kann man sagen, dass diese CD wirklich eigenständig und innovativ ist. Gleichermaßen ist sie aber auch sperrig und es stellt sich die Frage, die sich bei Tonträgern wie diesen nahezu aufdrängt: Wer soll das eigentlich hören? Sicherlich ist es gelungene Musik, in der viel Können steckt und aus der die dahinter stehende Mühe und Liebe herauszuhören ist. Schwer ist allerdings, einen roten Faden, ein Gesamtkonzept (neben dem Begriff „Avantgarde“) herauszuhören, was damit auch das Auffinden der potenziellen Hörerschaft schwer macht. Es ist durch und durch „Avantgarde“, aber zumindest ein klein wenig mehr Stringenz hätte der Scheibe gut getan. Dennoch: Wer den Blick über den Tellerrand mag und musikalisch einen weitgesteckten Horizont hat, dem sei ein Probehören dieser CD durchaus angeraten!

Label-Homepage: www.foreshadow.pl

Text: Marius Meyer