Rezensionen & Tonträger Marius, 08.06.2006
Thelema – Burnt Memories
Vor neun Jahren erschien mit Night of Pan das letzte Album der Italiener von Thelema, seitdem war es recht still um die Gruppe geworden. Nun, zur Mitte des Jahres 2006, sind sie wieder da und erzählen uns von Burnt Memories, die sie musikalisch in einem Gewand verpacken, das sich von dem Klang der letzten Veröffentlichung in mancher Hinsicht unterscheidet. Da dies jedoch im Grunde genommen bei jeder neuen Veröffentlichung Thelemas der Fall war, überrascht dies auch auf dem vierten Werk nicht allzu besonders. Düster ist es geblieben, diese Ausdrucksweise der Düsterkeit hat sich leicht gewandelt. Der Titel Burnt Memories ist also folglich gewissermaßen auch eine Art Selbteinschätzung der eigenen Musik: Der frühere gothic-rockige Sound mit seinen experimentell-industriellen Anleihen hat sich in einen düster-poppigen Sound mit Einflüssen aus Folk und Dark Wave gewandelt.
Burnt Memories ist zusätzlich aber auch eine gute sinnbildliche Umschreibung für das, was den Hörer auf der neuen Thelema-Scheibe erwartet: Der Klang hat etwas von vergangenen Zeiten – nicht im Sinne von Musik, sondern im Sinne von sich Erinnern. Zeiten, in die man zurückblickt. Mal wehmütig, mal mit der frohen Gewissheit, dass sie vorbei sind. Die Musik evoziert in ihrem Klang viele Vorstellungen. So zum Beispiel die, dass schöne Momente im Leben selten sind und schnell vergehen, während der Rest aus Sensationen, Erinnerungen und Träumen besteht.
Wie wird das Ganze nun musikalisch umgesetzt? Wie bereits erwähnt, der Trend geht zu einem düster-poppigen Klangbild. Das zeigt sich bereits, wenn The Ballad of Untold Memories das Album eröffnet. Ein poppiger Rhythmus, der ein zwar schönes Stück offenbart, das dabei aber eine traurige Tendenz aufweist. Die gezupfte Gitarre über dem Moll-betonten Klang zeigt dies genauso wie der Gesang, der sehnsüchtig und dabei gleichermaßen betont klingt. In anderen Stücken kommt auch der Synthesizer stärker zum Einsatz, mal hintergründig, mal auch für die Melodie.
Nicht zu überhören ist auch der Einfluss des Dark Wave in der Musik dieses vierten Thelema-Albums. So stellen sich die Töne, mit dem ein Stück wie Blissfully Peaceful eröffnet und untermalt wird, eindeutig in eine 80er Jahre Cold Wave-Tradition, die dem poppigen Gesamtbild eine weitere Facette geben. Gelegentlich taucht in der Musik dann auch mal so etwas wie Optimismus auf – eine schöne Erinnerung? Hoffnung? Jedoch: Spätestens, wenn es vom Chorus zurück in die Strophe wechselt, kommt die Traurigkeit zurück…
Insgesamt ist es Thelema gelungen, ein abwechslungsreiches, emotionales Album auf die Beine zu stellen. Es ist ein ruhiges Album, das eine Weile braucht. Wer wilde, krachige Musik erwartet, dürfte enttäuscht sein – wer aber etwas ruhige Musik im Spannungsfeld poppigerer Gothic Music und wavigen Einflüssen mag, darf diesem Album gerne mal ein Ohr schenken.
Internet: www.thelemaband.com

Text: Marius Meyer