Diejenigen, denen das selbstbetitelte Debüt dieses kanadischen Vierers im Jahre 2003 entgangen ist, könnten unter Umständen 2007 im Zuge des Albums Worlds Collide von Apocalyptica von Three Days Grace Kenntnis genommen haben, war doch hier Frontmann Adam Gontier auf dem Titel I Don’t Care zu hören und machte diesen dabei gleich mal zu einem der Highlights des Albums. Sollte auch das spurlos an einem vorbeigegangen sein, so wird es spätestens jetzt – mit dem Release des neuen Albums One-X – Zeit, dieser kanadischen Alternative Rock-Band mal das eine oder andere Ohr zu schenken, denn hier wird wirklich gelungener nordamerikanische Rockmusik geboten.

One-X ist durchaus auch als die persönliche Reise von Adam Gontier zu sehen. Die persönliche Reise eines Menschen, der sich gerade dadurch einsam fühlt, dass er ständig von Leuten umgeben ist. Die Geschichte eines Außenseiters, ein Tagebuch eines selbst zerstörerischen Lebens. Nicht von ungefähr kommt es, dass viele der Stücke auf dem Album im Jahre 2005 in einer Entzugsklinik in Toronto geschrieben wurden. All diese biographischen Elemente dürften es auch sein, die One-X die gefühlvolle, nachdenkliche, eingängige Komponente gegeben haben. Denn diese ist es, die das Album deutlich abhebt von anderen Veröffentlichungen dieses Genres.

Man hört sicherlich eindeutig heraus, dass die musikalischen Wurzeln der Gruppe im amerikanischen Alternative Rock liegen: Harte Gitarren, druckvolle Riffs und dabei doch melodische Songführung. Aber gerade durch die Emotionalität entsteht bei Three Days Grace ein Mehr an Eigenständigkeit. Zwar zieht sich eine gesunde Härte durch das Album, diese aber wird dabei nicht überstrapaziert. Momente wie Let It Die, das gar mit Akustik-Gitarre beginnt und die verzweifelten Momente im selbstreflexiven Animal I Have Become sind es, durch die dieses Album seine Besonderheit gewinnt.

Das Album untermauert eine Tatsache, die uns die Musikwelt schon so häufig gezeigt hat: Persönliche Krisen führen nur allzu oft zu wirklich guten Songs oder sogar ganzen Alben. So auch One-X, dessen Stücke ein gelungener Befreiungsschlag Adam Gontiers sind. Es bleibt abzuwarten, wie es mit der Gruppe weitergeht – da das Talent aber deutlich aus dem Album raushörbar ist, sollte man sich keine großen Sorgen machen, dass es auch ohne Krisen positiv weitergehen kann mit der Band. Von der Zukunftsmusik abgesehen: Ein wirklich gelungenes Album, das jedem Freund der gepflegten Rockmusik modernerer Spielart sehr zu empfehlen ist!

Weitere Artikel
Rezension: Apocalyptica – Worlds Collide

Homepage: www.threedaysgrace.com
MySpace: www.myspace.com/threedaysgrace

Text: Marius Meyer