Rezensionen & Tonträger Marius, 29.09.2006
Tribe of Circle – Children of a weakened god
Albin Julius ist ein umtriebiger Mensch. Neben seinen musikalischen Arbeiten mit Der Blutharsch betreibt er auch sein Label HauRuck!, das uns in der Vergangenheit bereits mit vielen interessanten Künstlern und den dazugehörigen Veröffentlichungen beehrt hat (man denke zum Beispiel an das Debüt der österreichischen Folk-Formation Graumahd). Auch das jüngste Werk des französischen Projekts Tribe of Circle um Jean-Paul Antelmi ist auf HauRuck! erschienen und dürfte dabei vor allem jenen gefallen, die nach einer Definition des musikalischen Terminus „Military Pop“ suchen.
Nachdem die Eröffnung mit einer minutenlang anhaltenden Sequenz untermalt von verschiedenen militärisch anmutenden Samplen die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zieht, wird mit Si Vis Pacem Para Bellum eine eindeutige musikalische Marschroute abgesteckt. Die Synthesizer-Sphären wissen es, dem Hörer ein bedrohlich anmutendes Kriegsszenario zu evozieren, das die marschartig gespielten Trommeln gut zu untermauern weiß.
Überhaupt ist es die Spannung, die sich wie ein roter Faden durch das Album von Tribe of Circle zieht. Dem Album wohnen dramatische Momente und eine gewisse allgemeine Dramaturgie inne. Auch ein Titel wie Algolagnia…Spaltung…Delight weiß dies zu zeigen. Er besitzt erneut die dramatischen Klangsphären, hier verstärkt durch einen Choralgesang, der zwar auf der einen Seite harmonisch wirkt, zum anderen aber durch die martialische Klangkulisse und seinen häufigen Tonlagenwechsel gleichermaßen auch verstörend wirkt.
Neben dem marschartigen Charakter des Werks tauchen auch immer mal wieder Momente auf, die etwas ambienter und somit ruhiger wirken als der Rest des Albums. So zum Beispiel der Titel Tabula Rasa, der eher sphärisch klingt und einen eher spärlichen Trommeleinsatz aufzuweisen hat (der eher rituell wirkt). Bei diesem Titel hat sich mit Simone Salvatori von der Spiritual Front gleich mal ein hochkarätiger Gast auf dem Werk verewigt.
Eine weitere Sonderstellung auf Children of a weakened god nimmt der Schlusstitel In Dulce Iubilo, der ebenfalls zu den ambienteren Einschüben gehört und Spannung vor allem dadurch gewinnt, dass eine Violine mit an dem Titel beteiligt ist. Indes nimmt es gegen Ende eine eigenartige Wendung: Das Ende des Titels und somit auch des Albums klingen auf einmal ungewohnt fröhlich und besteht aus etwa anderthalb Minuten Swingmusik, mit der der Hörer nach dem Album sicherlich mit als allerletztes gerechnet hätte…
Children of a weakened god stellt somit ein an sich spannendes Album dar. Die Frage, die sich allerdings auch hier stellt, ist die nach der anvisierten Zielgruppe. Insgesamt ist es ein eher spezielles Werk, das dem geneigten Hörer militärisch anmutender Musik sicherlich gefallen dürfte und auch denjenigen, die ansonsten eher treibendere Spielarten von Neofolk hören gefallen könnte. Freunde sonstiger Veröffentlichungen aus dem Hause HauRuck! brauchen hier keine Berührungsängste zu haben, dem Rest sei auch hier auf die Möglichkeit des Reinhörens verwiesen.
Labelhomepage: www.hauruck.org

Text: Marius Meyer