Dass sich der Blick über den Tellerrand immer wieder lohnt, ist ja gerade auf dieser Seite eigentlich nichts Neues. So kam es in der Vergangenheit häufiger schon vor, dass hier Hörbücher besprochen wurden, die mit Musik eigentlich weniger zu tun hatten und eher noch dem Großbereich Popkultur zuzuordnen waren. Häufig lohnt sich der Blick auch in andere Richtungen, beispielsweise dann, wenn Labels, die so einige Musik-DVDs veröffentlicht haben, auch andere Veröffentlichungen im Programm haben. So beispielsweise Arthaus, die mit Filmen wie Control und Lou Reed’s Berlin interessante Musikdokumentationen im Angebot haben, aber eben auch anderes bieten. Wie zum Beispiel jetzt: Mit Tyson – Der Mann. Der Mythos. erscheint auf Arthaus eine Dokumentation über den erfolgreichen und gleichermaßen umstrittenen Boxer.

Dabei ist das Anliegen des Films allerdings weniger, ein Boxfilm zu sein. Schaut man sich die DVD an, bemerkt man schnell, dass hier ein Mensch im Mittelpunkt steht, der seine Karriere auf dem Sport aufgebaut hat, vor allem aber eines war: Ein Mensch mit seinem Schicksal. Die Darstellung dieses Schicksals erfolgt in einer sehr autobiographischen Art: Hauptfaden und Hauptbestandteil des Films sind Interviewsequenzen. Aus insgesamt 30 Stunden Interview hat Regisseur James Toback hier den Dokumentarfilm zusammengeschnitten, in dem Tyson mit einer erschreckenden Ehrlichkeit über die Stationen aus seinem Leben erzählt, von schwerer Kindheit angefangen über Jugend, den Weg zum Boxsport, die verschiedenen Gefängnisaufenthalte und seine Skandale, die ihn mindestens genau so bekannt gemacht haben wie der Boxsport selbst. Durchsetzt ist die Dokumentation immer wieder mit Archivmaterial der Stationen von Tysons Leben, die sein Leben bildlich untermauern.

Die DVD zeigt Tyson dabei von einer sehr menschlichen Seite. Selbstinszenierung ist hier nicht zu finden, stattdessen ist man überrascht darüber, wie abgeklärt hier ein Mann spricht, den man aus den Medien eben ganz anders kennt. So ist James Toback hier ein teilweise tiefschürfender Einblick in die Psyche eines Menschen gelungen, der es im Leben eben nicht leicht gehabt hat. Gutheißen will man so manche Aktion hinterher selbstverständlich nicht, aber man hat einen guten Einblick in das bekommen, was einen Menschen wie Mike Tyson bewegt. Und somit ist James Toback hier ein Film gelungen, der eben vor allem einen Menschen und sein Schicksal behandelt und den Sport dabei zwar nicht außen vor lässt, aber nicht glorifizieren will. Eine gelungene Dokumentation – auch für diejenigen, die mit dem Boxsport nicht viel am Hut haben.

Homepage: www.arthaus.de/tyson
Trailer: www.youtube.com/watch?v=zu-hHdm8QdM

Text: Marius Meyer
Bilder: Arthaus / Kinowelt Home Entertainment