Rezensionen & Tonträger Lisa, 16.06.2009
Unzucht - Engel der Vernichtung
Wer beim Stichwort „Unzucht“ nur an nicht Jugendfreies denkt, kennt einen der vielversprechendsten Newcomer der deutschen Gothicszene noch nicht. Nur vier Songs präsentieren die Jungs auf ihrer selbst produzieren EP Engel der Vernichtung. Manchmal braucht es aber auch nicht mehr, um zu erkennen, dass man es mit echten Talenten zu tun hat. Solider, handgemachter und streckenweise sehr harter Gothic Rock wird mit einer sehr vielseitigen Stimme und starkem Songwriting verknüpft. Dabei legt man sich nicht nur auf klassische Rockhymnen fest, sondern geht einen Weg der Extreme, die allerdings die Zwischentöne nicht auslassen. Engel der Vernichtung zeigt, dass Deutschland noch immer intelligente Musiker und Texter hervorbringen kann.
Der Musikstil erinnert hier und da an Staubkind oder ASP, während die ausgefeilten Texte weitestgehend für sich stehen. Überhaupt präsentieren Unzucht mit nur vier Songs ein umfangreiches Spektrum ihres Könnens. Von Gothic Rock geht es über Zwischentöne zu einer sehr emotionalen Ballade. Sänger Der Schulz hat eine wandelbare Stimme, die je nach Song sehr gut auf Rhythmus und zu transportierende Emotionen abgestimmt ist.
Engel der Vernichtung ist eine klassische Gothic Rock Hymne. Mit harten Gitarrenriffs und einem sehr intelligenten Text zeigen Unzucht, dass sie das Zeug dazu haben, frischen Wind in die Szene zu bringen. Die dominante Stimmte von Der Schulz lässt sich von nach vorn drängenden, fast hetzenden Keyboard- und Gitarrenmelodien begleiten, während der Bass ganz klar ein treibendes Tempo vorgibt. Meine Liebe geht in eine ähnliche Richtung, klingt besonders am Anfang jedoch elektronischer und ist insgesamt ruhiger. Gerade der Refrain erinnert stark an Staubkind zu Traumfänger-Zeiten: Fatalistisch anmutende Melodie und ein gefühlvoller Text, der mit einer ebenso gefühlvollen Stimme vorgetragen wird. Schwarzes Blut - übrigens keine Coverversion von ASP, auch wenn der Titel das vermuten lässt – ist der eine Pol der Extreme, zwischen denen Unzucht sich bewegen. Schlagzeug und Bass toben sich richtig aus und treiben den Sänger, der hier eigentlich eher als Sprecher agiert, erneut nahezu in die Atemlosigkeit hinein. Während wir uns verlieren stellt den anderen Pol dar: Der Song ist eine gefühlvolle, keinesfalls kitschig geratene Ballade. Hier dominieren Klavierklänge zum nachdenklichen Gesang.
Die Texte sind sehr poetisch abgefasst, Worte und Reime sitzen, ohne in Kitsch abzugleiten. Auch textlich erinnern Unzucht hier und da an Staubkind, stehen aber insgesamt für sich und dürfen keinesfalls als Kopie aufgefasst werden.
Auf Engel der Vernichtung schaffen es Unzucht, mit nur vier Songs, sehr viel von sich preiszugeben. Texte voller Poesie lassen hoffen, dass Deutschland als ehemaliges Land der Dichter und Denker noch nicht völlig verloren ist. Die Musik, die stark in Richtung Gothic Rock geht, aber keinesfalls auf dieses Genre festgelegt scheint, zeugt von der Kreativität und Vielseitigkeit der Band. Wollen wir hoffen, dass es bald mehr Material von Unzucht gibt!
MySpace: www.myspace.com/unzuchtmusic

Text: Lisa Kleinberger
18 Jun 2009, 11:24 am 1.Elke…
Treffender kann man die Band und ihre Musik nicht beschreiben - danke.
Unzucht ist ein absoluter Geheimtipp, der auf jedem Fall laut weitergeflüstert werden MUSS!
23 Jul 2010, 6:47 am 2.Unzucht ist Opener für das Mera Luna | Das ist mein Blog…
[…] Mera Luna 2010 Die Band “Unzucht” ist gewählt worden und darf nun am 07.08.2010 das Mera Luna 2010 auf der Hauptbühne als Newcomerband das Festival eröffnen. Die Band hat dann keine weite Anreise, da sie ja aus der Ecke um Hannover kommt. Unzucht hat bereits eine Vier-Titel-EP mit dem Titel Engel der Vernichtung aufgenommen. (Ein gute Besprechung ist hier zu finden). Vom Sound her wird Unzucht mit Staubkind oder ASP vergleichen. Mich erinnern sie eher an Oomph! Die Jungs um den Sänger Der Schulz werden 20 Minuten Zeit haben, um dem Publikum richtig einzuheizen. Wer sich die Stücke einmal anhört, wird sofort wissen, dass das gut klappen kann. Ich drück die Daumen, dass alles gut geht. Hier die Internetseite der Band. […]