Rezensionen & Tonträger Marius, 29.09.2006
Ure Thrall - Arabian Knightmares
Der Versuch, vom Äußeren der CD auf dessen musikalischen Inhalt zu schließen, dürfte bei dieser Veröffentlichung relativ zum Scheitern verurteilt sein: Ein mit schwarzer Strumpfmaske maskierter Mann ziert das Cover. In der Hand ein Maschinengewehr, im Hintergrund stehen eingeschüchterte junge Menschen, die sich die Ohren zuhalten. Dazu Songtitel wie Drowning in a sea of blood and oil oder auch Every massacre begins with a funeral. Mit Tesco als Label im Rücken ist der erste Gedanke jener an eine eindeutige Industrial-CD. Umso überraschender der erste Hördurchlauf mit der damit verbundenen Feststellung, dass Ure Thralls Werk eindeutig in Richtung düsteren Ambient agiert.
Es ist sicherlich stark klischeebeladen, wenn man die Inhalte und die optische Umsetzung dieser Scheibe betrachtet und ein Schlüssel des Aufmerksamkeit auf diese CD Erregens ist zweifelsohne die Provokation – der Schock als Methode. Wichtig ist aber vielmehr der Blick hinter diese Fassade verbunden mit der Frage, ob denn mehr dahinter stünde. Versprochen wird dem Hörer eine reflektierende Beschäftigung mit den derzeit weltweit tobenden Kriegen unter Rekurrenz auf Ereignisse wie den 11. September 2001 und den Irakkrieg.
Durch die elektronischen, verstörenden Klänge verbunden mit Samples verschiedenster Art zeigt sich auf der CD, dass tatsächlich eine tiefsinnigere Beschäftigung gelungen ist, als man durch den äußeren Eindruck annehmen mag. Langsam aufbauende, bedrohliche Klangteppiche, hypnotische Rhythmen, verschiedene in der arabischen Welt zu verortende Samples wie muslimische Gesänge und Tonstrecken, die den Hörer gerade durch ihre immer mal wieder vorzufindende Monotonität verstört den Klängen lauschen lassen.
Das, woran es bei dieser Scheibe hakt, ist das Problem, an dem es leider bei vielen Tonträgern dieser Richtung zu scheitern vermag: Ambiente Tonträger können eine wirklich spannende Wirkung entfalten, wie es auch diese Scheibe zweifelsohne zu tun vermag. Jedoch stellt sich – wenn man dazu noch die Albumlänge von 80 Minuten bedenkt – früher oder später ein Durchhänger ein, bei dem der Hörer sich langweilen könnte. Der musikalische wie auch der inhaltliche Rahmen sind zwar klar abgesteckt, dennoch ist es irgendwann die Frage danach, was der Künstler einem mit seinem Werk im Endeffekt eigentlich sagen möchte, die sich einem aufdrängt.
Beachten sollte man in diesem Kontext, dass Ambient generell doch eher für eine Minderheit der Musikliebhaber ein wirklich interessantes und spannendes Genre darstellt und in den richtigen Momenten durchaus Hörvergnügen bereiten kann. In der Hinsicht gesehen sticht das Werk Ure Thralls heraus.
Wer Liebhaber düsterer Ambient-Klänge ist, dürfte an Arabian Knightmares seine wahre Freude haben. Für Interessierte ist das Album sicherlich ein interessantes Werk, das allerdings vielen eher gemischte Gefühle bereiten könnte, weshalb ein bis zwei Probeläufe in diesem Fall durchaus angeraten wären.
Labelhomepage: www.tesco-germany.com

Text: Marius Meyer