Velveteen – das ist eine inzwischen recht lange Geschichte. Einst fing alles in einer WG in Frankfurt an, in einem Wohnzimmer, in dem Shoegazing der ersten Stunde gehört wurde. Die vielzitierten Ride und Slowdive, die unvermeidlichen Bands, die immer genannt werden, wenn der Begriff Shoegazing genannt wird. Und sie stellen eine große Inspiration dar, verleiten zum Gang in den Proberaum und führen dazu, dass zwischen 2002 und 2007 drei Alben von Velveteen das Licht der Welt erblickten. Kein Grund, aufzuhören, weshalb mit 27 nun das vierte Album der Formation in den Startlöchern steht. Der Rahmen Shoegazing wurde längst gesprengt und Velveteen präsentieren sich als eine vielseitige Indie-Formation.

Ein Begriff, der in Zusammenhang mit Velveteen immer wieder fällt, ist der der Gitarrenwand. Etwas, das sich einem eigentlich gar nicht so erschließt, wenn man 27 hört. Sicher: Die Gitarrenwand ist immer mal vorhanden und nicht auszuschließen, allerdings ist sie nur eine von vielen Facetten Velveteens. In der Hauptsache ist es eigentlich so, dass Velveteen sich als sehr feinfühlige Musiker mit Hang zum Schönen präsentieren und dies auf sehr eigenwillige Art und Weise in ihrer Musik auch kundtun. L.S.P. Wars beispielsweise ist so ein Song, der zeigt, wie viel Schönheit da eigentlich drinsteckt. Zwar wird hier mit verzerrten Gitarren und Arrangements im höheren Tempo-Bereich gearbeitet, aber vor allem wird das Stück von Melodie und einfühlsamem Gesang getragen.
Begegnen tut die Gitarrenwand aber schon. Wenn man sich zum Beispiel Final anhört, so wird hier eine ziemliche Gitarrenkulisse aufgebaut, die den Verzerrer maßgeblich mit einsetzt und eine verhangene Atmosphäre mit sich bringt (hier sind die Shoegazing-Wurzeln unverkennbar), aber auch hier begegnen aus den Soundscapes immer wieder melodische Einschübe, die abermals beweisen, dass man im Grunde der Schönheit wegen hier angetreten ist, ein viertes Album zu veröffentlichen.
Velveteen präsentieren sich hier vor allem im Großbereich einer Rock-Band. Das Spiel mit der Elektronik und den Synthies begegnet zwar auch hier und da, beispielsweise in den pulsierenden Synthie-Melodien in We Measured Twice, aber immer möchte man mit Gefühl nach vorne gehen.

Velveteen präsentieren sich hier als eine Indie-Band durch und durch, die den Indie lebt, wie er eigentlich sein sollte. Eigenständig, eigenwillig, mit Ecken und Kanten, dabei aber schön und auch eingängig. Dazu tritt eine einfühlsame Gesangsstimme. Somit ist ihnen ein hervorragendes Album gelungen, das man auch denen ans Herz legen könnten, die bei dem Begriff „Indie“ gleich mit völlig falschen Vorstellungen entgegnen, die einer allergischen Reaktion gleichkommen. Ein schönes Indie-Album, das noch einige Wurzeln im Shoegazing hat, die Gitarrenwand nicht verleugnet und Emotionen zu transportieren weiß. Sehr gelungen!

Homepage: www.velveteen-music.de
MySpace: www.myspace.com/velveteenmusic

Text: Marius Meyer