Rezensionen & Tonträger Marius, 21.05.2007
Voxtrot – Voxtrot
Nach diversen Singles und EPs legt das texanische Quintett Voxtrot nun ihr selbstbiteltes Debüt vor. Ursprünglich Bestand der Großteil der Gruppe aus Musikstudenten, die eine Abwechslung zur grauen Formelhaftigkeit und Theorie ihres Studiums brauchten. Diverse Umorientierungen im Tätigkeitsfeld der Musiker folgten, aber eines blieb: Die Band. Mit elf Titeln präsentiert diese sich nun auf Albumlänge und klingt dabei gar nicht mal so texanisch. Man hört deutlich heraus, dass Sänger und Gitarrist Ramesh drei Jahre in Glasgow war und somit automatisch mannigfaltige Einflüsse wie Belle & Sebastian von der Insel mitbrachte. Aber auch der amerikanische Einfluss ist noch da und es ist nicht so verkehrt, vereinzelt mit Referenzen wie Pavement zu hantieren. Bei all dem entstand ein sehr innovatives Debüt für den geneigten Indie-Rock-Hörer.
Trotz aller Referenzen: Voxtrot sind sehr eigenständig und klingen sehr frisch und unverbraucht. Ein leichter Pop-Appeal ist der Gruppe nicht abzusprechen, obgleich man sich nicht an Trends anbiedert damit. Dennoch: Das Songwriting der Gruppe sucht bei allem Rock-Charakter gerne nach der perfekten Melodie, während sich die Songs zugleich auch noch mit einer unverschämten Tanzbarkeit brüsten. Kid Gloves ist einer dieser Titel, die dies auf beeindruckende Weise zeigen. Es ist einer dieser seltenen Songs, zu denen man gleich beim ersten Hören lostanzen und mitsingen möchte, ganz gleich, dass man den Text ja eigentlich noch gar nicht kennt.
Der Rock-Charakter tritt unter anderem bei Firecracker hervor, das gleich mit breitwandigen Gitarren eröffnet, danach aber erst einmal mit einer spärlich von Percussion und Basslauf getragenen Strophe glänzt. Im Chorus kommt er aber wieder: Der eingängige Indie-Rock, verbunden mit einem Paradoxon im Kleinen verbunden: Einem zeitlosen 60er-Spirit. Musik, die im Jetzt verankert ist und Spaß macht. Auch Ghost zeigt dies und unterstützt seine Eingängigkeit durch Streicher. An anderer Stelle begegnet auch mal das Piano, so zum Beispiel in Stephan, bei dem man entfernt an Ben Folds erinnert wird. Was stets klar wird: Vielseitigkeit wird groß geschrieben.
Mit diesem Debüt und der Beggar’s Group als starkem Partner im Rücken gehen Voxtrot nun zum Angriff über. Und man darf hoffen, dass dieser von Erfolg gekrönt sein wird, denn selten begegnet einem ein solches Indie-Rock-Album, das eingängige Musik mit Tanzbarkeit und Innovation verbindet und dabei so erfrischend unverbraucht klingt. Man darf in diesem Fall gespannt sein, wie es mit Voxtrot weitergeht. Zu schade wäre es, wenn dieses gelungene Debüt-Album eine Eintagsfliege sein sollte. Dies ist aber Zukunftsmusik. Daher sei Voxtrot an dieser Stelle lieber erst einmal viel Erfolg für ihr Albumdebüt gewünscht!
Homepage: www.voxtrot.net
MySpace: www.myspace.com/voxtrot

Text: Marius Meyer