Waldteufel - Rauhnacht Das Folk-Projekt Waldteufel von Markus Wolff und wechselnden Mitmusikern hat eine neue EP mit etwa 30 Minuten Musik veröffentlicht und dieses in starker Limitierung vor kurzem auf den Markt geworfen. Auf der seinem Vater Manfred Wolff gewidmeten EP vertont er in seiner ureigensten Art vier Texte verschiedener deutscher Autoren. Diese sind im Einzelnen: Das Allerseelengebet von Friedrich Hielscher, In den Zwölften von Hugo Kaeker, Hexe Hild von Leopold Weber und Ur-Odin von Karl Wolfskehl, dessen Vertonung Sturmpercht gewidmet ist. Musikalisch ist schwer einzuordnen, ob Waldteufel einem bestimmten Stil treu geblieben wären oder ihn gewechselt hätten, denn prinzipiell ist der Tonträger ähnlich den vorangegangen Waldteufel-Veröffentlichungen: Unerwartet.
Vor allem in den ersten beiden Titeln wird Verschrobenheit groß geschrieben. Mit mittelalterlich anmutenden Geräuschen wird im Allerseelengebet eher eine Klangcollage als eine Songstruktur erstellt, bei der durch Geräusche wie Pferdegeklapper immer mal wieder verschrobene Blasinstrumente durchscheinen, was teils auch an den örtlichen Heimatverein erinnern könnte. Ab der Hälfte stabilisiert sich die Struktur ein wenig (ein wenig!) und Markus Wolff trägt das Gedicht Hielschers mit leicht beschwörend anmutendem Ton vor. Etwas mehr Struktur gibt es im zweiten Stück. Hier dominieren vor allem die erneut leicht verschrobenen Flötentöne, während Wolff von Frau Holle erzählt. Ein solides Stück waldteufelscher Klangkunst, was man schon eher als typisch Waldteufel bezeichnen könnte.
Harmonischer wird es im dritten Stück, was auch das Highlight der kleinen EP darstellt. In Hexe Hild ist eine erstaunlich durchdringende E-Gitarre zu hören, die von starkem Trommeln begleitet wird, die dem Stück einen sehr treibenden Charakter verleiht. Dieser treibende Charakter wird auch durch den Gesangsstil weiterhin unterstützt. Hexe Hild ist wohl am ehesten auf dieser EP ein Neofolk-Stück, während das abschließende Ur-Odin eindeutig die Geräuschmalerei in den Vordergrund stellt. Heulende Werwölfe, Bäche, knarzende Waldgeräusche und ein verstörender Vortrag werden zum Ende des zwölfminütigen Stückes von spielmannsartigen Klängen von Flöten und Trommeln ergänzt, bis sie mit einem Freudenschrei enden.

Im Endeffekt ist die EP auf seine Weise anstrengend, skurril und dann doch eher was für Liebhaber – diese werden die beinahe kultigen Klänge aber auch lieben. Wer sich angesprochen fühlt, sollte schnell beim Mailorder nach Wahl zugreifen, denn die 500 Exemplare dürften sehr schnell vergriffen sein und die EP zum gesuchten Sammlerstück avancieren.

Homepage: www.waldteufel.net

Waldteufel - Rauhnacht

Text: Marius Meyer