Rezensionen & Tonträger Marius, 28.10.2008
Washington – Rouge/Noir
Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Somit bringt der norwegische Dreier mit dem Namen der fern entlegenen Stadt Washington nun also ihr drittes Album auf den Markt. Dabei sind sie weitaus weniger poppig als auf dem Vorgänger-Album und geben sich vor allem dem musikalischen Feingefühl hin, erzeugt durch melancholische Gitarrenklänge, die melancholisch, aber nicht pessimistisch klingen. Dabei singen sie beispielsweise von gesunkenen Schiffen und nie betretenen Wegen im Wald – eine Atmosphäre also, in der sich die Melancholie förmlich aufdrängt. Aber was will man auch machen, wenn man ein Album aufnimmt und dabei von einer Außentemperatur von -20° Celsius umgeben ist?
Und auch wenn es Baukastenbegriffe sind, bei einem Album norwegischer Musiker von Melancholie, Dunkelheit, Trauer und Kälte zu reden, so kann man diese Einflüsse auf einem Album einer Band wie Washington einfach nicht wegreden. Sowohl die Texte als auch der Sound des Albums sind bewusst in diese Richtung gegangen. Erzeugt mit Akustik-Gitarre, dezenter Percussion (je nach Stück auch bis hin zum vollen Schlagzeug), Bass und der warmen und einfühlsamen Stimme von Rune Simonsen entstehen dabei, ruhige, tiefgehende Klänge, bei denen die kalten Temperaturen außerhalb der Musik schnell vergessen sind. Gelegentlich dürfen da auch gerne mal Streicher mitwirken, wie in Last of Eve. Nur selten wird dabei das ruhige – den Norwegern wirklich gut stehende – Gewand durchbrochen, was sich vor allem in dem wohl einzigen reellen Rock-Stück Guerre de Rue auf dem Album äußert. Aber auch hier schimmert die Wärme durch, die sich auch in den ruhigen Stücken des Trios findet. Diese kann man vor allem mit ruhigem Indie-Pop mit Einflüssen aus Singer/Songwriter und Folk beschreiben.
Mit Unterstützung von Produzent Lars Lien (der beispielsweise auch Motorpsycho produziert hat) und dem Mastering in den Londoner Metropolis Studios durch Andy Baldwin (der unter anderem auch schon für Coldplay und Richard Ashcroft gearbeitet hat) ist hier ein wirklich starkes Album entstanden. Melancholische, warme Gitarrenklänge voller Tiefe und Dringlichkeit, die überzeugen können. Ein Album, wie geschaffen für Freunde ruhiger und gediegener Gitarrenklänge. Sehr überzeugend!
Homepage: www.washington.no
MySpace: www.myspace.com/washingtonband

Text: Marius Meyer