Die Everybody’s-Darling-Band der deutschen Popmusik ist endlich zurück. Wir sind Helden veröffentlichen nach drei Jahren Pause ihr mittlerweile viertes Album, das den Titel Bring mich nach Hause trägt. Die Pause hatte, wie könnte es bei den Berlinern anders sein, den sympathischten Grund der Welt: Sängerin Judith Holofernes widmete sich dem Nachwuchs. Gesungen wurden höchstens Schlaflieder für die kleinsten Fans, die eigenen Kinder. Wie kann da jemand auch nur ansatzweise böse sein über eine solch lange Pause? „Das ist alles erlaubt und / alles gegeben / alles geglaubt und / alles vergeben.“

Spätestens wenn Bring mich nach Hause mit Alles beginnt, wird einem klar, dass man die Helden doch irgendwie vermisst hat. Holofernes’ Stimme klingt wunderbar vertraut und noch besser ist, dass das Album nicht mit flippigen Synthies, die in der Vergangenheit so manchmal genervt haben, startet. Stattdessen steht ein Klavier, das den Hörer durch den Song trägt, am Anfang des Openers. Alles fesselt von der ersten Sekunde an, weil klar ist, dass sich das Lied mit jeder weiteren immer weiter aufbaut. Der Refrain ist einfach nur groß inszeniert und beweist, dass es sich gelohnt hat, drei Jahre zu warten.

Verwunderung entsteht zunächst bei Was und beiden gehört. Das klingt etwas nach buntem Karneval. Die anfängliche Befremdlichkeit wird zusehends abgeschüttelt, weil man sich zu diesem Lied einfach bewegen muss. Der Titeltrack Bring mich nach Hause und Flucht in Ketten beruhigen wieder. In letzterem resümiert Holofernes mit ihrer zauberhaft süßen Stimme „Eine Flucht in Ketten ist kein Kinderspiel“. Wir sind Helden wissen, wie man ein Lied steigert, um im Refrain den Höhepunkt zu erreichen. So auch bei der Ballade von Wolfgang und Brigitte, einer Liebesgeschichte, die kein gutes Ende mit sich bringt. „Es war alles schön und gut / Es gibt nichts, was man nicht tut / Doch Brigitte hat den Wolf nicht geliebt.“ Hach..

Eine neue Aufschrift für die Fanshirts bringt der Titel „Meine Freundin war im Koma und alles, was sie mir mitgebracht hat, war dieses lausige T-Shirt“ mit sich. Wenn sich Bring mich nach Hause langsam dem Ende zu neigt, kommt mit Kreise noch ein Lied, das auch aus allen drei anderen Alben hervorgestochen hätte. Von der Stimmung her klingt es ähnlich wie Wenn es passiert. Allen, die sich noch nicht sicher waren, sollte nach Kreise klar geworden sein, dass die Pause nicht geschadet hat. Bring mich nach Hause steht seinen Vorgängern in nichts nach.

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Text: Martin Zenge