Woven Hand - Mosaic Nachdem 16 Horsepower letztes Jahr am 06.04.2005 ihre Auflösung bekannt gaben, kann man das einstige Nebenprojekt Woven Hand wohl inzwischen als musikalisches Hauptbetätigungsfeld von Bandkopf David Eugene Edwards bezeichnen, zumal mit Pascal Humbert auch ein weiteres Drittel 16 Horsepower mit im Line-Up von Woven Hand zu finden ist. Musikalisch schlägt Edwards auf dem nunmehr fünften Album seines Projektes Woven Hand in etwa in die gleiche Kerbe, wie er es einst auch mit 16 Horsepower tat, so dass sich in etwa der gleiche Rezipientenkreis von Mosaic angesprochen fühlen darf – selbstverständlich neben all jenen, die sich außerdem noch von der Musik angesprochen fühlen.
Prinzipiell ist es schwer, Woven Hand einzuordnen. So war es in der Vergangenheit mit den Werken des David Eugene Edwards, so ist es auch heute. Wenn man bedenkt, dass 16 Horsepower zum Beispiel es auf einen Seite einst sogar bis ins Musikfernsehen (Viva Zwei) geschafft haben, während sie auf der anderen Seite auch auf neofolkbetonten Kompilationen in Büchern über Heidentum, Brauchtum und Kultur nebst Bands wie Blood Axis und Changes zu finden waren (TYR II), zeigt sich, dass die Musik irgendetwas haben muss, das einen Bogen spannt, der ein breites Spektrum der verschiedensten Musikliebhaber anspricht. Hört man sich – ob nun diese Vorzeichen beachtend oder nicht – dann einmal das neue Werk von Woven Hand an, so fällt schnell auf, dass auch hier tatsächlich etwas Magisches in der Musik zu finden ist – etwas, was den Hörer bannt.
Oft fällt die Bezeichnung Alternative Country, gemischt mit Anklängen von Rootsmusik. Diese Bezeichnung trifft auch auf Mosaic wieder zu, wobei man beachten sollte, den Begriff Country erstmal von seinem staubigen Klischee-Image von alten Männern mit Western-Hut und Banjo in der Hand befreien sollte. Ruhig im mittleren Tempo angesiedelt mit einem beschwörenden Unterton klingt die Musik, die vor allem durch ihre Atmosphäre lebt. Nimmt man zum Beispiel ein Stück wie Whistling Girl, fallen einem gleich zu Anfang auf einem Banjo gespielte Riffs auf, die etwas leicht bedrohliches besitzen und bannen, unterlegt vom Bass und immer wieder garniert durch Piano-Einsprengsel, die eine spannende Harmonie verleihen, während Edwards mit seiner nicht minder beschwörerisch wirkenden Stimme den Song zu einer Perle macht.
Ebenso spannend wirkt auch ein Stück wie Dirty Blue, das mit seinem treibenden Rhythmus etwas zielstrebiger wirkt und dabei von der Violine vorgetragen den folkigen Aspekt der Musik etwas mehr in den Vordergrund rückt. Und auch hier ist er wieder: Dieser beschwörende Charakter, diese spirituelle Atmosphäre in der Musik.
Was für die zwei angesprochenen Stücke galt, lässt sich in den verschiedensten Facetten auch auf Mosaic als Gesamtwerk beziehen. Alternative Country ist zwar ein nicht unpassender Begriff, aber er kann längst nicht alle Aspekte des Werks wiedergeben. Der Folk, die teils mittelalterliche Instrumentierung, die Rootsmusik, die Spiritualität – alles Punkte, die ebenfalls beachtet werden müssen, um Woven Hand zu verstehen. Eben das ist es, was diese Veröffentlichung so spannend macht. Die Spannung lässt über die 45 Minuten Albumlänge nicht nach. Hinterher wirft sich gelegentlich die Frage auf, wo Woven Hand einen eigentlich hinführen wollte, aber in ihren Bann gezogen hat die Musik einen zu diesem Zeitpunkt schon lange… Sicherlich eine der spannendsten Veröffentlichungen des Jahres 2006!

Homepage: www.wovenhand.net

Woven Hand - Mosaic

Text: Marius Meyer