Na okay, als den großen Optimisten kannte man David Eugene Edwards in musikalischer Hinsicht eigentlich noch nie. Sei es nun mit 16 Horsepower oder mit Woven Hand: Ein düsterer Einschlag war immer irgendwie zu hören, obgleich die Musik weit entfernt vom Depressivsein oder ähnlichem war. Davon entfernt ist sie auch auf dem neuen Werk Ten Stones erneut. Aber dennoch: Vor allem bei den ersten Hördurchläufen stellt man fest: Wow, diesmal ist es dann doch ganz schön dunkel geworden. Und doch reiht sich das Album nahtlos in die Bandgeschichte ein, denn auch auf diesem findet sich wieder dieses magische, beschwörende Element, das David Eugene Edwards seinen hohen Wiedererkennungswert gibt.

Und genau so, wie es immer war, ist es auch dieses Mal wieder schwer, die Musik – vor allem das Genre – in Worte zu fassen. Von Alternative Country über Gothic Country hin zu amerikanischen Folk ist da schon alles gefallen – und es ist alles nicht so wirklich verkehrt. Das „Alternative“ trifft es schon einmal deutlich, weil es anders klingt als das Gängige. „Gothic“ geht an sich zwar vielleicht ein wenig an der Musik vorbei, düster klingt es aber allemal. „Folk“ lässt sich in dem Werk ganz sicherlich nicht verleugnen – man hört einfach sehr deutlich Wurzeln in amerikanisch geprägtem Folk. Auf elf neuen Kompositionen zeigt Edwards nun auf Ten Stones erneut, wie das klingen kann, wenn man es wirklich gut macht!

Um das ein wenig näher zu beleuchten, lässt sich am besten exemplarisch ein Titel herauspicken – wie beispielsweise das kraftvolle Not One Stone. Eröffnet mit einer magischen Atmosphäre, die von Perkussion, Bassläufen und dem markanten Gitarrenspiel hervorgerufen wird, gesellt sich bald Edwards Gesang hinzu und schnell findet man sich schon mitten in den mitreißenden Klängen von Woven Hand wieder, die eigentlich gar nicht unbedingt hohes Tempo vorlegen, sondern eine beeindruckende Dichte an Atmosphäre, kombiniert mit einer ordentlichen Portion Druck, so dass es schwer ist, sich der Musik zu entziehen. Man könnte meinen, David Eugene Edwards sei ein moderner Schamane. Sein Zauber: Die Musik.

All das geschieht – wie eingangs bereits erwähnt – diesmal mit einer insgesamt sehr düster wirkenden Komponente, die konsequent das steigert, was auf dem Vorgänger Mosaic in Titeln wie Dirty Blue bereits angedeutet wurde. Allerdings werden auf dem Album diesmal noch zusätzliche andere Wege beschritten. Beispielsweise in White Knuckle Grip, das durch die Nutzung des Akkordeons wirkt wie ein düsterer Alternative Country-Chanson mit Wurzeln im amerikanischen Folk. Oder auch Quiet Nights Of Quiet Stars, das von einer finster schleifenden Orgel hinterlegt so klingt, als sei man ein düsteres Pendant zu Frank Sinatra. All das bettet sich gut in den Gesamtkontext von Ten Stones ein.

Was man feststellen kann: David Eugene Edwards und Woven Hand ist erneut ein großer Wurf gelungen. Im Endeffekt entstand ein Album, das seinen Vorgängern in nichts nachsteht, eine konsequente Fortentwicklung zeigt, dabei sehr vielseitig wirkt und trotzdem sehr zielstrebig klingt. Und ein Album, mit dem die Gruppe erneut zeigt, dass sie wirklich etwas ganz Eigenes machen, das sich dem Versuch des Vergleichs so von vornherein zu entziehen weiß. Sollte es dieses Album nicht in diversen Jahresendabrechungen nach ganz weit oben schaffen, so müsste da schon etwas grundlegend verkehrt laufen.

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Rezension: Woven Hand – Mosaic

Homepage: www.wovenhand.net
MySpace: www.myspace.com/wovenhand

Text: Marius Meyer