Es gibt Ereignisse, die jedes Jahr mit absoluter Pünktlichkeit eintreten: Weihnachten, Neujahr, Ostern, Geburtstage und ebenfalls das alljährlich im Frühjahr erscheinende neue Wumpscut-Album. Fuckit heisst also das neue Werk und schafft es schon durch das Intro den Hörer auf seine Seite zu ziehen: Schlechter Mensch heißt dieses und verarbeitet ein Sample aus irgendeinem reißerischen „Newsmagazin“ aus dem privaten Fernsehen, in welchem darüber berichtet wird, dass Matti Juhani Saari, der finnische Selbstmordattentäter der ebenfalls Wumpscut hörte, genau so wie die „Satanistenmördern von Witten“. Die völlige Unkenntnis der englischen Sprache der Moderatorin sorgt dabei für ihr übriges, wenn nicht von Wumpscut, sondern von „Vampscout“ die Rede ist. Enden tut das Intro mit der Frage: „Kann jemand, der diese Musik gehört hat, ich meine, wirklich gehört hat, ein schlechter Mensch sein?“ Jedenfalls ein gelungenes und schön zynisches Intro über journalistischen Dilettantismus.

Im weiteren Verlauf der CD gibt es dann die für Wumpscut übliche Kost: Satte Bässe, mal geflüsterter, mal gegrunzter Gesang mit rauschen und antreibenden synthetischen Klängen. Wie üblich sind die Lieder auch allesamt sehr tanzbar ausgefallen. Neu dabei die Streichinstrumente, die immer wieder auftauchen. Der Klang ist deutlich harscher als auf dem Vorgänger geworden und verbreitet eine kalte Atmosphäre. Teilweise sind die Lieder auch rein instrumental, wie zum Beispiel Leichenteilchen. Was dieser Titel andeutet, fällt bei mehrmaligen Hören auch positiv auf: Wumpscut ist wieder deutlich morbider und bösartiger geworden, als man es noch von Vorgänger gewohnt war.

Unterm Strich bleibt Fuckit aber ein typisches Wumpscut-Album vom Fließband, dies aber auf hohem Niveau, da es das Beste der vergangenen Alben ist. Wumpscut steigern sich also weiter von Album zu Album, nichtsdestotrotz bleibt das Album einfach zu vorhersehbar. Wer aber nichts anderes als ein Wumpscut-Album ohne Überraschungen will, der bekommt mit Fuckit das, was er erwartet.

Weitere Artikel
Rezension: Wumpscut – Schädling

Homepage: www.wumpscut.com
MySpace: www.myspace.com/wumpscut

Text: Tristan Osterfeld