Rezensionen & Tonträger Marius, 31.08.2009
Yo La Tengo – Popular Songs
Ein Urgestein, das muss man sagen. 1984 gegründet, erscheint nun je nach Zählweise schon das 12. oder eben auch 14. Album in der Geschichte Yo La Tengos. Nebenher auch ein sehr fleißiges Urgestein, auch das muss man sagen – schließlich ist Popular Songs nicht der erste Output der Formation in diesem Jahr… Im Frühjahr beteiligten sie sich bereits an der Benefiz-Compilation Dark Was The Night und unter dem Pseudonym „Condo Fucks“ erschien mit dem Titel Fuckbook bereits ein Album voller Coverversionen im Lo-Fi-Garagen-Gewand. Nun ist aber wieder der richtige Name an der Reihe – und hier zeigen Yo La Tengo auch wieder ihr „wahres Gesicht“.
Yo La Tengo präsentieren sich hier wieder sehr harmonisch, teilweise ruhiger, teilweise auch mit Hang zum Rock. Ebenso ist ein Einfluss aus dem Folk nicht zu überhören. I’m On My Way beispielsweise mit seinen harmonischen Gitarren, das im Walzertakt mit Folk-Einfluss und eingängig säuselndem Gesang begegnet, zeigt die Ausgeglichenheit der Songs auf dem Album. Eine gewisse Verträumtheit kann man den Songs gerne unterstellen. Auch das im gediegenen Pop-Tempo angesiedelte Avalon Or Someone Very Similar hat diesen Charme, was hier wohl vor allem durch den weiblichen Gesang bedingt ist. Die Rock-Momente kommen dennoch nicht zu kurz. Nothing To Hide entfaltet seine Wirkung durch die verzerrten Schrammel-Gitarren, die dennoch auf mysteriöse Weise Harmonie ausströmen.
Zum Ende hin fallen dann drei Stücke auf, die durch ihre Länge auffallen. Als drittletztes: More Stars Than There Are In Heaven. Ein Stück mit verträumtem Grundton, das an eine konspirative Session des jungen Velvet Underground denken lässt und zum Ende hin immer wieder Steigerungen erfährt. Dann The Fireside, das in seinen über elf Minuten ebenfalls eine sehr verhangene Wirkung hat, wie man sie beispielsweise von den sehr frühen The Verve (auf A Storm in Heaven) kennt, durch den Gitarreneinsatz aber auch wieder was von Folk hat. Zu guter letzt ist And The Glitter Is Gone dann noch eine gute Viertelstunde lang, die allerdings im Kontrast zu den beiden vorherigen Stücken wenig verhangen sind, sondern vielmehr in Richtung Noise-Rock gehen. Mit verzerrten Gitarren werden hier spröde Wände gebaut, die den Eindruck machen, als habe man sich zum Ende des Albums noch einmal richtig austoben wollen.
Yo La Tengo sind eine Indie-Institution. Das musste man eigentlich schon vorher niemandem mehr erzählen, nach diesem Album ist das aber noch viel weniger nötig. Auf diesem Album zeigt das Trio all jene Stärken, die sie seit jeher ausgemacht haben und zeigen genau so, dass sie ihrer Sache nicht müde sind. Stattdessen bringen sie ein wirklich gelungenes Album heraus, das zeigt, dass sie ihre Ausnahme-Position völlig berechtigt einnehmen.
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Rezension: Condo Fucks – Fuckbook
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Text: Marius Meyer